5G und Wi-Fi 6 werden bei der digitalen Transformation von Unternehmen in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen. Es ist davon auszugehen, dass Unternehmen wie Privatpersonen wo immer möglich Wi-Fi 6 nutzen werden, und 5G nur dort, wo es unumgänglich ist. Wi-Fi 6 wird zwar in vielen Fällen kostengünstiger und schneller sein, aber es wird nicht überall zur Verfügung stehen. Gemeinsam eingesetzt können die beiden Technologien Kosten senken und überall eine maximale Performance ermöglichen. 

Wi-Fi 6, auch bekannt als 802.11ax, hat im Vergleich zu älteren Standards höhere Datenübertra­gungsraten bis 10 Gbit/s, was bis 40 % schneller ist als 802.11ac. Neben der höheren Geschwin­digkeit kann bei Wi-Fi 6 die Netzwerkkapazität auf eine Gruppe von Geräten verteilt werden. Dieser Faktor wird angesichts der zu erwartenden Geräteexplosion eine wichtige Rolle spielen. ­Derzeit wird für 2020 mit mehr als sechs vernetzten Geräten pro Person gerechnet. Das bedeutet hochgerechnet insgesamt etwa 50 Milliarden ­Geräte. Mit Wi-Fi 6 wird das Management dieser zusätzlichen Geräte sowohl in Unternehmen als auch in Privathaushalten vereinfacht.

Bei 5G dagegen beträgt die prognostizierte ­theoretische Höchstgeschwindigkeit bei gemeinsamer Nutzung 10 bis 20 Gbit/s. 5G wird also schneller sein als Wi-Fi 6.

Die tatsächlichen Geschwindigkeiten von Wi-Fi 6 und 5G hängen jedoch von verschiedenen Faktoren ab, sodass die theoretischen Höchstgeschwindigkeiten in der Praxis möglicherweise nicht zu erreichen sind. Zu den Einflussfaktoren zählen die Anzahl der Geräte pro 5G-Zelle sowie die Entfernung und mögliche Hindernisse zwischen einem Gerät und dem Sendemast. Letztlich werden die einzelnen Wireless-Verbindungen bei Wi-Fi 6 ­einen wesentlich höheren Durchsatz und eine niedrigere Latenz aufweisen als bei 5G, sofern das Wi-Fi 6-Netz sorgfältig geplant und umgesetzt wird.

Dann kommt nämlich ein weiterer Vorteil von Wi-Fi 6 zum Tragen: Die komplette Abdeckung ­innerhalb eines Gebäudes ist einfacher zu ­gewährleisten als bei 5G. Das liegt vor allem an den Verbesserungen im Bereich der MIMO-­Technologie bei Wi-Fi 6. 

In der Geschäftswelt sind Wireless-Geräte weiter verbreitet als 5G-fähige Geräte (oder selbst 4G- und 3G-kompatible Geräte). Einige der neuesten Smartphones haben inzwischen zwar 5G-fähige Chips (neben Wi-Fi 6), aber die meisten anderen Wireless-Geräte wie Laptops und intelligente Geräte sind in der Regel nur mit Wi-Fi ausgestattet. 

Hinzu kommt, dass Geräte im Wi-Fi-Betrieb meistens deutlich weniger Akku verbrauchen als im 5G-Betrieb. Auch hier wird die zum Verbinden und zum Senden/Empfangen von Daten benötigte Akkuleistung in Abhängigkeit von verschiedenen Faktoren stark variieren. Funktionen wie TWT (Target Wake Time) tragen zur effizienteren Akkunutzung bei. 

Der letzte – und oft wichtigste – Faktor sind die Kosten. Ein 5G-Abo für alle Geräte wird deutlich teurer sein als eine typische WLAN-Installation. Dies gilt vor allem auch im Hinblick auf die IoT-Welt: Einem Unternehmen entstehen deutlich geringere Kosten, wenn es am Arbeitsplatz WLAN anstatt 5G nutzt.

Natürlich hat 5G auch einige Vorteile gegenüber Wi-Fi 6. 5G wird die IT in den Bereichen, wo Wi-Fi weniger geeignet ist, revolutionieren. Das Mantra lautet auch hier: Wi-Fi wo immer möglich, 5G wo unbedingt nötig.

Ein Beispiel ist die Verbindung von IoT-Sensoren bei mehreren Hundert oder Tausend IoT-Geräten, für die Wireless-Netzwerkverbindungen erforderlich sind. In Unternehmensgebäuden wird Wi-Fi 6 die Technologie der Wahl für IoT sein. Wenn das IoT die vier Wände des Gebäudes verlässt, können Sensoren per 5G dennoch mit guter Geschwindigkeit und zuverlässig verbunden werden.

Last but not least wird 5G wahrscheinlich in ­Situationen eingesetzt werden, in denen kein ­effizienter Wi-Fi-Betrieb möglich ist. Wir dürfen nicht vergessen, dass die Wi-Fi-Frequenzen 2,4 und 5 GHz im nicht lizenzierten Frequenz­bereich liegen. Also haben Benutzer oder Unternehmen keine Eigentumsrechte an dem Frequenz­bereich. Beim lizenzierten 5G-Frequenzbereich ist der Fall anders gelagert. So kann es vor­kommen, dass beispielsweise in von mehreren Unternehmen genutzten Gebäuden Störungen im Wireless-Frequenzbereich auftreten. In ­diesen Fällen ist von 5G, das in einem vom ­Betreiber ­lizenzierten Frequenzbereich betrieben wird, eine deutlich höhere Leistung zu ­erwarten als von Wi-Fi.

Auch Cisco vertritt die Ansicht, dass sowohl Wi-Fi 6 also auch 5G Bestand haben werden. So haben sie erst kürzlich die neuen Wi-Fi 6-­Access Points der Catalyst 9100 Serie vorgestellt, die neben dem neuen Standard auch ­einige andere spannende Neuerungen wie ­Frequenz-Fingerprinting und ein integriertes ­Zigbee-Gateway bieten. Und um die Brücke zu 5G zu schlagen, arbeitet Cisco gemeinsam mit anderen Herstellern im OpenRoaming-Konsortium daran, in Zukunft das nahtlose Roaming aus dem 5G-Netz in Wi-Fi 6-Netzwerke zu ­ermöglichen. Denn dann können Nutzer und Unter­nehmen alle Vorteile beider Welten nutzen.