Dieses Unternehmen lässt den Humanoiden Pepper unter anderem zum Lead-Generator werden

Der Name verrät schon einiges über den Ursprung von CleverGuides. Der liegt nämlich im Bereich von Guided-Selling-Systemen, die Verkaufsprozesse enorm erleichtern. So lassen sich Presales-Aktivitäten vollautomatisch durchführen, ohne dass der Vertrieb mit dieser eher unliebsamen Vorarbeit belastet wird. Auch die Messbarkeit spielt hierbei eine grosse Rolle: Die Produkte zeigen transparent, welche Wege Kunden letztendlich wählen. Die Gründungsidee von CleverGuides beruht also auf dem Thema Leadgenerierung. Klares Ziel: die besten Leads am Markt generieren und damit dem Vertrieb die perfekte Ausgangsposition für den «Angriff» geben.

Erst vor zwei Jahren kam CEO Dr. Friedrich-Carl Schaefer auf der CeBIT in Berührung mit dem humanoiden Roboter Pepper. Damals war Japan Partnerland, weshalb mit vielen japanischen Ausstellern auch viele Roboter zur Messe kamen. Angefangen bei recht simplen Industrierobotern bis hin zu unterschiedlichsten Humanoiden war alles vertreten und begeisterte Dr. Schaefer vom Fleck weg. Nach ersten Gesprächen stellte sich heraus, dass Pepper in Wirklichkeit keine japanische, sondern eine französische Entwicklung der Firma Aldebaran Robotics – mittlerweile SoftBank Robotics – ist.

Die Hochzeit der Gedanken

Das Potenzial von Pepper war schnell erkannt, und die Idee, den Humanoiden mit dem bestehenden Guided Selling System zu verheiraten, war geboren. Pepper sollte als Ergänzung zu den PoS oder auf Messen und Events zum Einsatz kommen und die Leadgenerierung dort revolutionieren sowie die Mitarbeiter sinnvoll unterstützen. 22 Sprachen? Das kann kein Sales Mitarbeiter leisten – Pepper schon! Für den Erstkontakt und die «Sondierung der Lage» ein echter Gewinn.

Im Gespräch mit CEO Dr. Friedrich-Carl Schaefer kamen noch weitere hochinteressante Aspekte zu Pepper und dem zukünftigen Umgang mit KI zur Sprache.

POINT: Herr Dr. Schaefer, bei dem oben genannten Anwendungsszenario liegt es doch bestimmt nahe, dass Menschen Angst haben, durch Pepper ersetzt zu werden. Ist das begründet?

Dr. Schaefer: Nein, ganz und gar nicht! Mit unserer Software ausgestattet, soll Pepper Mitarbeiter entlasten und nicht entlassen. Er leistet quasi die Vorarbeit, sodass der Vertrieb direkt am Kern der Anfrage oder des Interesses ansetzen kann. Das spart natürlich enorm viel Zeit und steigert die Effizienz. Aktuell wird Pepper mit CleverGuides Software beispielsweise in einem Telekom Flagship-Store in Belgrad zur Produktberatung eingesetzt. Nach Peppers Vorarbeit können die Mitarbeiter dort direkt in das Verkaufsgespräch übergehen.

POINT: Pepper stellt also proaktiv Fragen und beantwortet im Gegenzug auch Fragen von seinem Gegenüber?

Dr. Schaefer: Richtig. Durch verschiedene Sensoren ist Pepper in der Lage, Blickkontakt zu erkennen sowie Alter und Stimmung einer Person einzuschätzen. Eben alles, um ein zuverlässiges Gespräch zu führen und dabei auf sein Gegenüber einzugehen. Sobald Pepper merkt, dass ein Mensch auf einer Messe irritiert oder böse schaut, kann er Rückfragen zum Verständnis stellen oder streut sogar kleine Witze und Anekdoten ein. Ohne diese Sensoren und die komplementäre Software wäre Pepper nur eine Workstation auf Rädern und hätte nicht viel mit KI zu tun. 

POINT: Pepper und die CleverGuides Software sind also ein gutes «Team». Was macht denn die Partnerschaft von CleverGuides und ALSO so besonders?

Dr. Schaefer: Zunächst sind wir sehr froh, dass ein so grosses Unternehmen wie die ALSO sich für eine kleine Firma wie CleverGuides interessiert und in der Zusammenarbeit versucht, das Thema KI hierzulande voranzutreiben. Wenn wir auf China schauen, sind wir natürlich schon lange überholt. Wenn wir nicht in die komplette Abhängigkeit geraten wollen, dann müssen wir uns sputen. Wir wollen die KI-Landschaft gemeinsam mit der ALSO mitgestalten und neue Verticals wie das Gesundheitswesen (z. B. Pepper als Pflegeassistenz) für den Einsatz von KI gewinnen. Ausserdem hat die ALSO mit uns einen offiziellen SoftBank-Partner im Portfolio. Als zertifizierter VAR darf CleverGuides Pepper momentan in ganz Europa verkaufen.

POINT: Was ist Ihr Wunsch für den zukünftigen Umgang mit KI?

Dr. Schaefer: An erster Stelle sollte bei jedem, der mit dem Thema in Berührung kommt, eine vernünftige Erwartungshaltung stehen. KI ist nicht die Lösung für alle Probleme und wird sie auch nicht sein. Wichtig ist dennoch, dass Unternehmen den Einstieg nicht verpassen. Ich wünsche mir einen verantwortungsvollen Umgang mit den verschiedenen KI-Technologien und dass deutsche Unternehmen Sensibilität für die Künstliche Intelligenz aufbauen. Das würde uns auf jeden Fall helfen, KI weiter und vor allem erfolgreich in den Fokus zu rücken sowie neue Usecases abzubilden.

Das allgemeine Wachstum des globalen Geschäftswertes von KI wird laut Gartner bis 2022 auf fast 4 Billionen US-Dollar ansteigen. Deutschland will bis 2025 offiziell 3 Milliarden Euro in Künstliche Intelligenz investieren – eine gute Ausgangslag für die weitere Entwicklung dieses Topthemas.